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http://www.rasz.de  - Zuletzt aktualisiert am: 02.05.2005




  


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Dem Stadtplaner und Architekten Ernst May war die Siedlung Römerstadt so ans Herz gewachsen, daß er sie in einem Brief aus dem Jahr 1954 "zu meinen Kindern" zählte.

Und die Architekturhistorikerin Heike Kaiser nennt sie "die Repräsentativste unter den Siedlungen der damaligen Zeit". Die so gepriesene Wohnanlage wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. 1928 wurden die letzten Bauabschnitte des Projektes fertiggestellt.
Der Name May steht in Frankfurt für die Moderne in der Architektur. Unter dem Namen "Das Neue Frankfurt" entstanden unter dem 1925 gewählten Stadtbaurat großflächige Siedlungen, um der Wohnungsnot Herr zu werden. Das Konzept der Neubauten war bahnbrechend: Sachlichkeit, Sparsamkeit, funktionale Klarheit verhießen eine kostengünstige Bauweise. Das viele Straßen der Römerstadt prägende Reihenhaus ermöglichte es, Decken für die gesamte Zeile aus "einem Guß" herzustellen. So ließen sich Arbeitsschritte einsparen. Alle Zubehörteile wie Türen, Beschläge und Fenster ließen May und seine Mitarbeiter nach vorher normierten Maßen herstellen, denn das sparte Geld.

Die Siedlung hat einen klaren Grundriß. Sie ist durch eine drei- bis viergeschossige Randbebauung von den sie begrenzenden Straßen getrennt. Dem steht ein aufgelockerter Innenraum mit meist zweistöckigen Häusern gegenüber. Die "Neue Sachlichkeit" ist an der Architektur leicht zu erkennen: Flachdächer, glatte Fassaden und zumeist eckige Formen dominieren. Die großen Grünflächen entlang der Straßen tragen zu einer Atmosphäre der "inneren Offenheit" bei. Dazu kommt ein ausgeklügeltes Netz von Fußwegen, über das jedes Haus schnell erreichbar ist.

"Einzigartig" nennt Walter Prigge, Städtebauexperte bei der Stiftung Bauhaus in Dessau, die "topographische Gesamtanlage". Der Umriß der Siedlung ist dem Relief der Flußlandschaft angepaßt, die sie offen aufnimmt. Von räumlich hervorspringenden Köpfen - auch Bastionen genannt - können die Anwohner in die grüne Landschaft gelangen. May kombinierte so Erholungsraum und Siedlung.

Beeinflußt durch das Gartenstadtkonzept des Engländers Ebenezer Howard entwarf May seine Idee der "Stadterweiterung mittels Trabanten". ]berschaubare Vorortsiedlungen sollten die miserable Wohnsituation der überfüllten Innenstädte entschärfen. Es galt, die Vorteile dörflichen und kleinstädtischen Lebens - naturnahes Wohnen und ein intaktes Gemeinwesen innerhalb der Neubauprojekte - mit der Nähe zur Großstadt zu verbinden. Dazu ermöglichte die Stadtrandlage, schnell große Mengen an Bauland zu beschaffen.


In die fertige Siedlung zogen meist mittelständische Familien. Das war einer der zentralen Kritikpunkte am "Neuen Frankfurt", schließlich betraf er auch andere Siedlungen: Trotz wirtschaftlicher Bauweise waren die Mieten für Arbeiterfamilien zu hoch. Ein Schwachpunkt, den auch May bei seinem Weggang aus Frankfurt 1930 einräumte. "Wir bauten für die wohnungslosen Schichten des Mittelstandes", schrieb er in der Frankfurter Zeitung vom 4. August des Jahres.

Und selbst der Mittelstand kam nicht immer mit der Miethöhe zurecht. In einer Liste säumiger Römerstadtbewohner des Jahres 1931 sind an sich wohlhabende Berufe wie Zahnarzt oder Gerichtsassessor zu finden. Auch wenn Mays Worte ein "Eingeständnis des Scheiterns" waren, könne das nach Prigges Ansicht der Römerstadt und dem "Neuen Frankfurt" nur bedingt angelastet werden. Denn die großen kommunalen Wohnungsbauprogramme jener Jahre mußten finanziert werden, was nur mit wirtschaftlichen Mieten machbar gewesen sei.

Von 1945 an beschlagnahmten die amerikanischen Besatzungsbehörden die Siedlung bis 1956. Etwa zwei Drittel der Erstmieter seien zurückgezogen, schreibt Heike Lauer in dem Buch "Das Neue Frankfurt". Heute noch zeichnet sich die Römerstadt durch eine geringe Mieterfluktuation aus. "So schnell zieht hier keiner weg" sagt Stefan Vogler, der als Bauleiter der städtischen Wohnungsholding die Siedlung betreut. Oft übernähmen sogar die Kinder der Mieter die Wohnungen. Wer so lange mit einer "Mustersiedlung" verbunden sei, identifiziere sich besonders mit dem Stadtteil. "Da gibt es schon das Gefühl: Wir Römerstädter!", sagt er.

Doch auch in der Mustersiedlung gibt es Probleme: Die Vorschriften des Denkmalschutzes untersagten es, die Häuser unbegrenzt nach eigenem Geschmack zu verändern. Ein neuer Fassadenanstrich oder die überdachte Terrasse kann dann zum [rgernis führen. Probleme, die auch andere May-Siedlungen haben. "Die Leute wissen oft nicht, in welchen geschichtsträchtigen Bauten sie eigentlich wohnen", sagt Sigrid Fehl.

Offen ist derzeit noch, ob der Geburtstag der Römerstadt offiziell gefeiert wird. Weder das städtische Denkmalamt noch das Architekturmuseum haben nach eigenen Angaben etwas geplant. Ausgeschlossen ist allerdings nicht, daß die selbstbewußten Römerstädter das Jubiläum in die eigenen Hände nehmen

 
Dem Stadtplaner und Architekten Ernst May war die Siedlung Römerstadt so ans Herz gewachsen, daß er sie in einem Brief aus dem Jahr 1954 "zu meinen Kindern" zählte.

Und die Architekturhistorikerin Heike Kaiser nennt sie "die Repräsentativste unter den Siedlungen der damaligen Zeit". Die so gepriesene Wohnanlage wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. 1928 wurden die letzten Bauabschnitte des Projektes fertiggestellt.
Der Name May steht in Frankfurt für die Moderne in der Architektur. Unter dem Namen "Das Neue Frankfurt" entstanden unter dem 1925 gewählten Stadtbaurat großflächige Siedlungen, um der Wohnungsnot Herr zu werden. Das Konzept der Neubauten war bahnbrechend: Sachlichkeit, Sparsamkeit, funktionale Klarheit verhießen eine kostengünstige Bauweise. Das viele Straßen der Römerstadt prägende Reihenhaus ermöglichte es, Decken für die gesamte Zeile aus "einem Guß" herzustellen. So ließen sich Arbeitsschritte einsparen. Alle Zubehörteile wie Türen, Beschläge und Fenster ließen May und seine Mitarbeiter nach vorher normierten Maßen herstellen, denn das sparte Geld.

Die Siedlung hat einen klaren Grundriß. Sie ist durch eine drei- bis viergeschossige Randbebauung von den sie begrenzenden Straßen getrennt. Dem steht ein aufgelockerter Innenraum mit meist zweistöckigen Häusern gegenüber. Die "Neue Sachlichkeit" ist an der Architektur leicht zu erkennen: Flachdächer, glatte Fassaden und zumeist eckige Formen dominieren. Die großen Grünflächen entlang der Straßen tragen zu einer Atmosphäre der "inneren Offenheit" bei. Dazu kommt ein ausgeklügeltes Netz von Fußwegen, über das jedes Haus schnell erreichbar ist.

"Einzigartig" nennt Walter Prigge, Städtebauexperte bei der Stiftung Bauhaus in Dessau, die "topographische Gesamtanlage". Der Umriß der Siedlung ist dem Relief der Flußlandschaft angepaßt, die sie offen aufnimmt. Von räumlich hervorspringenden Köpfen - auch Bastionen genannt - können die Anwohner in die grüne Landschaft gelangen. May kombinierte so Erholungsraum und Siedlung.

Beeinflußt durch das Gartenstadtkonzept des Engländers Ebenezer Howard entwarf May seine Idee der "Stadterweiterung mittels Trabanten". ]berschaubare Vorortsiedlungen sollten die miserable Wohnsituation der überfüllten Innenstädte entschärfen. Es galt, die Vorteile dörflichen und kleinstädtischen Lebens - naturnahes Wohnen und ein intaktes Gemeinwesen innerhalb der Neubauprojekte - mit der Nähe zur Großstadt zu verbinden. Dazu ermöglichte die Stadtrandlage, schnell große Mengen an Bauland zu beschaffen.


In die fertige Siedlung zogen meist mittelständische Familien. Das war einer der zentralen Kritikpunkte am "Neuen Frankfurt", schließlich betraf er auch andere Siedlungen: Trotz wirtschaftlicher Bauweise waren die Mieten für Arbeiterfamilien zu hoch. Ein Schwachpunkt, den auch May bei seinem Weggang aus Frankfurt 1930 einräumte. "Wir bauten für die wohnungslosen Schichten des Mittelstandes", schrieb er in der Frankfurter Zeitung vom 4. August des Jahres.

Und selbst der Mittelstand kam nicht immer mit der Miethöhe zurecht. In einer Liste säumiger Römerstadtbewohner des Jahres 1931 sind an sich wohlhabende Berufe wie Zahnarzt oder Gerichtsassessor zu finden. Auch wenn Mays Worte ein "Eingeständnis des Scheiterns" waren, könne das nach Prigges Ansicht der Römerstadt und dem "Neuen Frankfurt" nur bedingt angelastet werden. Denn die großen kommunalen Wohnungsbauprogramme jener Jahre mußten finanziert werden, was nur mit wirtschaftlichen Mieten machbar gewesen sei.

Von 1945 an beschlagnahmten die amerikanischen Besatzungsbehörden die Siedlung bis 1956. Etwa zwei Drittel der Erstmieter seien zurückgezogen, schreibt Heike Lauer in dem Buch "Das Neue Frankfurt". Heute noch zeichnet sich die Römerstadt durch eine geringe Mieterfluktuation aus. "So schnell zieht hier keiner weg" sagt Stefan Vogler, der als Bauleiter der städtischen Wohnungsholding die Siedlung betreut. Oft übernähmen sogar die Kinder der Mieter die Wohnungen. Wer so lange mit einer "Mustersiedlung" verbunden sei, identifiziere sich besonders mit dem Stadtteil. "Da gibt es schon das Gefühl: Wir Römerstädter!", sagt er.

Doch auch in der Mustersiedlung gibt es Probleme: Die Vorschriften des Denkmalschutzes untersagten es, die Häuser unbegrenzt nach eigenem Geschmack zu verändern. Ein neuer Fassadenanstrich oder die überdachte Terrasse kann dann zum [rgernis führen. Probleme, die auch andere May-Siedlungen haben. "Die Leute wissen oft nicht, in welchen geschichtsträchtigen Bauten sie eigentlich wohnen", sagt Sigrid Fehl.

Offen ist derzeit noch, ob der Geburtstag der Römerstadt offiziell gefeiert wird. Weder das städtische Denkmalamt noch das Architekturmuseum haben nach eigenen Angaben etwas geplant. Ausgeschlossen ist allerdings nicht, daß die selbstbewußten Römerstädter das Jubiläum in die eigenen Hände nehmen