Das klassische Weimar gehört zum Weltkulturerbe. Elf historische Gebäude und Parks der Stadt, in der Johann Wolfgang Goethe nahezu sechs Jahrzehnte wirkte, stehen seit dem Beschluß des Komitees der Unesco von heute auf der Liste der besonders schützenswerten Zeugnisse vergangener Kulturen. Dazu gehören Goethes Wohn- und Gartenhaus, das Schillerhaus, Herderhaus und Stadtkirche, Stadtschloß, Wittumspalais, Fürstengruft, Anna-Amalia-Bibliothek und auch die wunderbaren Parkanlagen zwischen Tiefurt und Belvedere. "Wo finden Sie auf einem engen Fleck noch so viel Gutes" - mit diesen Worten hatte Goethe einst seinen Privatsekretär Johann Peter Eckermann in das Städtchen an der Ilm gelockt. Dieser Satz gilt heute erst recht, auch wenn das Böse um Weimar keinen Bogen machte und mit dem KZ Buchenwald auf dem Ettersberg einen sichtbaren Beweis für die Doppelgesichtigkeit unserer Geschichte lieferte. Nur wenige Städte vergleichbarer Größe verfügen über eine solche Fülle kultureller Einrichtungen wie die rund 62.000 Einwohner zählende Stadt an der Ilm, die vor rund 1.100 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde. Unterdessen gibt es hier rund hundert Denkmale. Der übergroße Teil der auf die Unesco-Liste gesetzten Häuser gehört der Stiftung Weimarer Klassik. In ihrem Besitz sind neben dem Goethe-Nationalmuseum 18 weitere Literaturmuseen, Schlösser und Gedenkstätten. Darunter ist auch das Goethe- und Schiller-Archiv, das älteste Literaturarchiv Deutschlands überhaupt, in dem über 120 Nachlässe bedeutender Schriftsteller aufbewahrt und erschlossen werden. Auch Goethes handschriftlicher Nachlaß ist hier nahezu vollständig vorhanden. Weitere Eigentümer der ausgezeichnete Objekte sind die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde, die Stadt sowie die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit Sitz in Rudolstadt.
Die Unesco würdigte in ihrem Beschluß vor allem die herausragende Rolle der Stadt als Geisteszentrum im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Damals wurde in Weimar eine der bedeutendsten europäischen Kulturepochen begründet. Es war eine Sternstunde, als der damals 26jährige Dichter des Sturm und Drang am 7. November 1775 aus Frankfurt nach Weimar kam und in dem erheblich jüngeren Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar einen Freund und Mäzen fand. Mit ihnen repräsentierten Schriftsteller wie Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland Weimars "Goldenes Zeitalter". Doch schon lange bevor Weimar zur Wiege der deutschen Klassik wurde, hatten der Maler Lucas Cranach und der Musiker Johann Sebastian Bach hier gewirkt und gewissermaßen den Boden bereitet.
Nach dem Ende der Klassik begann mit dem Wirken des Musikers Franz Liszt das "Silberne Zeitalter", in dem sich die Stadt zu einem Zentrum internationaler Opernkunst entwickelte. Später kam Richard Strauss hinzu, der als Kapellmeister wirkte. Walter Gropius vereinigte die Hochschule für bildende Künste und die Kunstgewerbeschule zum weltberühmten Bauhaus, das bis 1925 in Weimar ansässig war und von dem entscheidende Impulse für die Moderne ausgingen. Schließlich verbrachte der Philosoph Friedrich Nietzsche die letzten Jahre seines Lebens in Weimar.
Im kommenden Jahr wird Weimar "Kulturstadt Europas" sein und dieses Großereignis mit rund 300 Veranstaltungen und Projekten feiern. Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel wertete den Entscheid der Unesco am Vorabend von "Weimar 99" als ein gutes Zeichen, das in aller Welt noch in verstärktem Maße den Blick auf Weimar lenke, das verdienstermaßen diese Auszeichnung erhalten habe.
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