Kunst » Epochen einen gewaltigen Einfluß auf die Entwicklung der italienischen Kunst (vor allem des MANIERISMUS) und der europäischen Kunst überhaupt aus. Das gilt noch in viel stärkerem maß für die späteren Fresken in der Sixtinischen Kapelle. Vermutlich blieb das Wandgemälde Michelangelos im Ratssaal auch unvollendet, weil sich die Signoria von Florenz beeilte, dem Wunsch des kunstliebenden Papstes Julius II. nachzukommen, der sich schon zu Lebzeiten ein würdiges Grabmal meißeln lassen wollte. Um das Grabmal Julius' II. gab es in der Folgezeit endlose Auseinandersetzungen zwischen dem Papst und dem Künstler; Michelangelo reiste schließlich aus Rom nach Bologna ab, weil, wie er an Giuliano da SANGALLo schrieb, »bliebe ich noch länger in Rom, eher mein eigenes Grabmal an die Reihe käme als das des Papstes«. Julius und Michelangel o Kunst » Epochen besaßen beide dasselbe auf-brausende Temperament, sie schätzten sich gegenseitig sehr, aber sie stritten sich. Nach dem Tod des Papstes im Jahr 1513 stand Michelangelo ständig unter Druck: Päpste und Adelige drängten ihn, die Verträge einzulösen, die er mit ihnen eingegangen war, während gleichzeitig die Erben Julius' Grabmal verlangten und sogar so weit gingen, ihn der Untreue zu bezichtigen. Der ursprüngliche Plan hatte ein riesiges, freistehendes Monument mit vierzig Figuren vorgesehen, er wurde aber in einem zweiten Vertrag aus dem Jahr 1513, nach Julius' Tod, wesentlich reduziert. Der Moses (in S. Pietro in Vincoli in Rom), ursprünglich als Nebenfigur entworfen, wurde jetzt Hauptfigur. Die beiden Sklaven im Louvre wurden völlig ausgeschieden. Auf einen dritten Kontrakt im Jahr 1516 folgte ein vierter, ein fünfter und endlich 1542 Kunst » Epochen ein letzter, nach dem schließlich Gehilfen unter Michelangelos Aufsicht einen schwachen Abklatsch des ersten Projekts anfertigten. Er wurde 1545 in S. Pietro in Vincoli, Julius' II. Titularkirche, aufgestellt. Michelangelo war damals 70 Jahre alt, er hat fast 40 Jahre mit den Querelen um das Grabmal zugebracht. Der erste Streit mit Julius selbst im Jahr 1506 konnte jedoch beigelegt werden, und Michelangelo goß für den Papst eine Monumentalstatue in Bronze als Mahnmal des Sieges über die Bologneser — diese zerstörten es bei der nächsten Gelegenheit im Jahr 1511. 1508 war er wieder in Rom und begann mit den Arbeiten an seinem Hauptwerk, dem Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan für Julius II., der, wie immer, ungeduldig auf die Vollendung drängte. Unzufrieden mit allen herkömmlichen Arbeitsmethoden und den Gehilfen, die er angestellt hatte, beschloß Michelangelo, das ungeheure Werk allein zu bewältigen. Unter großen Schwierigkeiten, die er in einem seiner Sonette amüsant beschreibt, die meiste Zeit auf dem Gerüst auf dem Rücken Kunst » Epochen liegend, so daß er nie die Möglichkeit hatte, seine Arbeit aus der Entfernung zu prüfen, vollendete er 1510 die erste Hälfte, den Teil in Türnähe. Darauf folgte Kunst » Epochen eine längere Pause, denn es mußten neue Gerüste aufgestellt werden. 1512 war das gewaltige Unternehmen zu Ende gebracht, Michelangelo war während der Arbeit am ersten Teil so in Übung gekommen, daß er die zweite Hälfte rascher und freier ausführen konnte. Die Zeit-genossen wußten das Meisterwerk sofort richtig einzuschätzen, und das, obwohl zur gleichen Zeit RAFFAEL, damals ein Liebling der Kunstwelt, in den Stanzen des Vatikans arbeitete. Von da an galt Michelangelo allgemein als der größte lebende Künstler, ungeachtet der Tatsache, daß er erst 37 Jahre alt war und neben ihm Leonardo und der wesentlich jüngere Raffael wirkten. Und zugleich wurde von da an der Künstler im Rang höher eingeschätzt als gewöhnliche Sterbliche, ein Prädikat wie »der göttliche Michelangelo« (il divino Michelangelo) hätte in früheren Zeiten als blasphemisch gegolten. Kunst » Epochen Die Decke der Sixtinischen Kapelle ist ein flaches Tonnenge wölbe, das durch abwechselnd kleine und große Felder abgeteilt ist; auf ihnen werden die biblischen Geschichten erzählt. Jedes der kleineren Felder ist von nackten Jünglingsfiguren umgeben, den Sklaven oder Ignudi, die auf dem architektonischen Rahmen sitzend dargestellt werden und sich nicht in derselben Projektion befinden wie die Figuren der erzählenden Szenen, denn ihre Perspektive ist anders. Unter ihnen befinden sich die Sibyllen und Propheten, darunter die Ahnen Christi. Das Deckengemälde ergänzt die Ausstattung. Es stellt das Leben auf der Erde vor dem Jüngsten Gericht dar: auf den Wandfresken von 1481/82 anderer Meister das Leben Mosis (d. h. die Offenbarung des Alten Testaments) und das Leben Christi (die Offenbarung des Neuen Testaments). Die Geschichten Kunst » Epochen beginnen über dem Altar und setzen sich von ihm aus fort (obwohl sie in umgekehrter Reihenfolge gemalt wurden) : in der ersten Szene Gott allein während des ersten Schöpfungsakts, dann folgt die weitere Schöpfungsgeschichte bis zum Sündenfall, der Sintflut, der Trunkenheit Noahs, einer Begebenheit, die Symbol für die äußerste Gottesferne ist. Die ganze Konzeption verrät neuplatonisches Gedanken-gut, das in Michelangelos Jugendzeit in Florenz in Um-lauf war, vor allem in den Gestalten der Sklaven, Bildern vollkommenster menschlicher Schönheit, die auf der-selben Bildhöhe angebracht sind wie die göttliche Schöpfungsgeschichte. Über ihnen befinden sich die Propheten des Alten Testaments und die Seher der alten Welt, die die Ankunft Christi voraussagten. Die vier Eckzwickel sind mit Szenen aus dem Alten Testament ausgefüllt, die die Erlösung verheißen: der Triumph Esthers, die eherne Schlange, Judith und Holofernes und David und Goliath. Über dem Altar ist der Prophet Jonas dargestellt, der drei Tage im Bauch des Walfisches war und auf die Auferstehung Kunst » Epochen |