Hauptwerk ist das seinerzeit hochgerühmte Deckenfresko der Aurora (1610 begonnen, 1613/14 vollendet) im Casino Rospiglioso in Rom. Einflüsse der Antike klingen hier an; Reni verzichtete auf illusionistische Effekte des SOrrO IN Sü (vgl. GUERCINOS Aurora von 1621—1623) und verfuhr wie bei einem Staffeleibild. Nach der Rückkehr nach Bologna arbeitete er im Stil der Carracci-Akademie, seine Bilder wurden glatter, gefälliger, eklektischer, die Farben kühl und gelegentlich matt. 1622 war er in Neapel, 1627 noch einmal in Rom. Die meisten seiner Werke sind in Bologna und in Rom (Fresken in der Quirinalskapelle, Capitoline, Borghese, S. Gregorio Magno und andere römische Kirchen), außerdem ist er vertreten in Birmingham, Dresden (Ruhende Venus mit Amor; Trinkender Bacchusknabe; Thronende Maria mit dem Christusknaben), Glasgow, Leeds, London (National Gallery, Dulwich), München (Himmelfahrt Mariae; Apoll schindet Marsyas), Neapel (Atalante im Wettlauf mit Hippomenes, ein typisches Spätwerk), Paris (Die Taten des Herakles, eine Folge von vier Bildern aus den Jahren 1617—1621 im Louvre, und ein Hiob von 1622—1636, der erst kürzlich in Notre-Dame entdeckt wurde), Sarasota/Florida, Stuttgart (Hl. Sebastian), im Vatikan und in Wien (5 Katalognummern, darunter die große Taufe Christi) u. a. Abb. 249, 257, S. 362 f.
Renoir, Pierre-Auguste (Limoges 1841 — Cagnes b. Nizza 1919), franz. Maler; einer der Hauptmeister des IMPRESSIONISMUS. Er wurde als Dreizehnjähriger als Porzellan-, Keramik- und Fächermaler ausgebildet, und diese frühe Lehre machte ihn später aufnahmefähig für die lichte Palette der Impressionisten. 1862 kam er in das Atelier des akademischen Malers Gleyre in Paris; hier lernte er MONET, BAZILLE und SISLEY kennen. Oft besuchte er auch den Louvre, um vor allem die Bilder WATTEAUS, BOUCHERS und FRAGONARDS zu studieren. Am nachhaltigsten hat COURBEr seine Frühzeit beeinflußt; Renoir machte 1868 seine Bekanntschaft, und von da an trug er seine dunklen Farben dick und mit schwerem Pinsel auf. Später arbeitete er gemeinsam mit Monet, sie malten zusammen an der Seine, und durch diese Freilichtmalerei und den Einfluß Monets hellte sich seine Palette auf, seine Pinselführung wurde leichter und freier, Flecken von farbigem Licht und Schatten ohne Kontur oder Umrißzeichnung bedeckten seine Leinwände, Rosa und Blautöne waren seine bevorzugten Farben. Auf den ersten drei Impressionistenausstellungen war er mit seinen Bildern vertreten, und auch auf der siebten; nach 1877 nahm der SALON einige seiner Bildnisse zur Ausstellung an, und er wollte die Chance, die sich ihm da-durch für den Verkauf bot, nicht mehr aufs Spiel setzen, indem er mit der meist recht erfolglosen Gruppe gemeinsame Sache machte. 1878 und noch einmal 1882 bereiste er Nordafrika, 1880 war er in Guernsey; im Winter 1881/82 besuchte er zum erstenmal Italien. Später führten ihn zahlreiche Reisen nach London, Holland, Spanien, Deutschland. Er suchte die Museen auf, bewunderte RAFFAEL und VELAZQUEZ noch mehr als RUBENS, von dessen Kunst er stark beeindruckt war. Nach der ersten Italienreise wurde seine Linienführung fester; sein Impressionismus war nun nicht mehr das Ergebnis des bloßen Sinneseindrucks, sondern Renoir benutzte die Farbe bewußt, um die Natur und die Form der Dinge neu zu erschaffen. Damit entfernte er sich von Monets Prinzip, unmittelbar in Anschauung des Objekts zu malen, er verwandte mehr Mühe auf die Technik, fertigte vorbereitende Skizzen und Studien an und arbeitete nicht an einem Stück, sondern in mehreren Arbeitsgängen an einem Bild. »Il faut meubler la tolle« — nach diesem Prinzip verfuhr er jetzt. Sein Frühwerk besteht aus Landschaften, Blumenstücken, Figurengruppen bei Tanzbelustigungen, im Cafe, im Boot; sein Spätwerk dagegen umfaßt vor allem Akt- oder Halbaktdarstellungen. Das zarte Rosa und der Schimmer des Inkarnats inspirierten ihn; die Schönheit der Frau hat er immer und immer wieder gemalt, und dabei entfaltete er in allen Variationen die Lieblingsfarben seiner Palette, Rosa und alle Abstufungen von Rottönen. 1906 ließ er sich in Cagnes in Südfrankreich nieder; eine Arthritis quälte ihn und machte ihn schließlich völlig hilflos. Die letzten Bilder malte er mit einem groben Pinsel, den er zwischen seine verkrümmten Finger gebunden hatte. Neben seinem umfangreichen malerischen Werk schuf er auch Plastiken (er ließ sie vor allem in der Spätzeit von Gehilfen ausführen), Figuren, die in ihrer Geschlossenheit und Einfachheit dem Stil MAILLOLs nahestehen; Maillol hatte ihn 1907 in Cagnes besucht und seine Porträtbüste modelliert. Auch MATISSE, der ganz in seiner Nähe in Südfrankreich wohnte, hat er kennen-gelernt; die Ideen und Prinzipien der FAUVES interessierten ihn. Renoir hat rund 6000 Bilder gemalt, zu den Hauptwerken zählen In der Loge (1874; Frankfurt, Städel), Le Bal du Moulin de la Galette (1876; Paris, Louvre), Am Frühstückstisch (1879; Frankfurt, Städel), Akt in der Sonne (1900; Paris, Louvre). Eine große Sammlung seiner Werke besitzt das Impressionisten-Museum in Paris. Weitere Werke befinden sich in Berlin, Boston (Museum), Cambridge/Mass. (Fogg), Chicago, Essen (Folkwang: Lise. Eine weißgekleidete Dame im Garten, 1868), Glasgow, Köln (Das Ehepaar Alfred Sisley), London (National Gallery : Les Parapluies; Tate : Der erste Ausgang; Courtauld), Stockholm, Toronto, Washington (National Gallery, Phillips) u. a. Besonders in Amerika gibt es sehr viele Renoirs; sie wurden zu einer Zeit angekauft, in der
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