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Wie eine farbenprächtige Oase liegt die künftige Markthalle inmitten einer Wüste von Gewerbebetrieben und Fabrikhallen. Am benachbarten Kreisverkehr tobt der Autoverkehr. Eines der letzten von Friedensreich Hundertwasser konzipierten Gebäude zieht schon vor seiner vollständigen Fertigstellung Tausende von Fans an.

Die Verehrer des im vergangenen Jahr gestorbenen österreichischen Künstlers und Architekten können in Alten am Bodenseeufer bereits die Halle besichtigen, in der einmal Bauern aus der Umgebung an 22 Ständen ihre Erzeugnisse anbieten werden. Eingerichtet sind auch schon eine Kunstgalerie und eine Jausenstube.
Der Meister der Wellenlinien und natürlichen Rundungen, der den rechten Winkel aus seinen Werken verbannte, scheint eine ganze Region zu begeistern.
Schulkinder schleppten Erde auf die Dachterrasse, auf der Pflanzen und Bäume gedeihen sollen. Laien entwickelten beim Anbringen der Keramik-Fliesen rund um die Fenster oder auf den Toiletten ungeahntes Geschick und vor allem Kreativität. «Laien sollen unter Anleitung von Fachleuten arbeiten, damit eine individuelle Arbeit entsteht», erläutert eines der Prinzipien Hundertwassers.

Doch bei den Handwerkern stieß der Versicherungsvertreter und Kunstagent häufig auf Widerstand. Mehr als einmal habe er zu hören bekommen: «Das geht doch nicht», wenn er Hundertwassers Bauprinzipien durchsetzen wollte. Die meisten hätten aber schließlich enormen Spaß daran gefunden, die Routine zu vergessen und ohne Wasserwaage und Lot ans Werk zu gehen, berichtet er schmunzelnd.

Die Idee zu der Markthalle kam bei einer Reise nach Kapstadt. Dort entdeckte er eine Halle nach seinen Vorstellungen. Das Nebeneinander von Bildern, Kunsthandwerk und Bauernständen faszinierte ihn. Und der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Er fertigte Skizzen, die er Hundertwasser vorlegte, mit dem er als Kunsthändler Kontakt hatte.

Der Meister stimmte zu und überwachte aus der Ferne den Bau, der im Herbst 1998 begann. Schulz schickte Fotos vom Baufortschritt, Hundertwasser faxte Korrekturen bis ins Detail zurück. Manchmal glaubte Lindemann, der Meister sei inkognito auf der Baustelle gewesen: «Er hat eine Deckenkante korrigiert, die er gar nicht kennen konnte.» Ansonsten sei der Hundertwasser-Architekt sein Partner.

In seinen Lebenstraum hat nicht nur viel Herzblut investiert, sondern auch sein gesamtes Privatvermögen. Denn die Banken wollten von dem Drei-Millionen-Franken-Projekt nichts wissen, auch die öffentliche Hand hielt sich zurück. Doch Sponsoren griffen dem blonden Mann unter die Arme, der so gar nicht versponnen wirkt. Die Zeit, da ihn finanzielle Sorgen drückten, sei vorbei, sagt er und lacht: «Ich habe keine Angst, es wird funktionieren.»

Bis zur kompletten Fertigstellung des Hundertwasser-Bauwerks bleibt einiges zu tun. So muss die letzte und größte der vier Kuppeln, die noch neben dem Gebäude liegt, mit 100 000 Goldplättchen belegt werden. Die ersten Bauern sollen im Frühjahr 2002 ihre Stände aufbauen. Doch am 14. September wird erst einmal «Aufrichte» gefeiert, eine Art verspätetes Richtfest inklusive der Uraufführung eines Werks des Schweizer Komponisten Roman Rutishauser.