Leo Castelli, der die moderne amerikanische Kunst formte wie kein anderer, ist im Alter von 91 Jahren in New York gestorben. Er entdeckte und förderte zahlreiche Meister des 20. Jahrhunderts, unter anderem Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein, Frank Stella, Richard Serra und Andy Warhol. Nach einem Bericht der «New York Times» vom Montag erlag Castelli bereits am Samstag in seiner Wohnung in New York einer kurzen, schweren Krankheit. Als Sohn eines jüdischen Bankiers 1907 in Triest geboren, flüchtete Castelli 1941 nach New York und gründete wenige Jahre später eine Kunstgalerie in New York. Er wurde zu einem der berühmtesten und einflussreichsten Kunsthändler des 20. Jahrhunderts. Seine Zeit kam Ende der 50er Jahre, als der Abstrakte Expressionismus langsam an Bedeutung verlor. Castelli förderte neue Bewegungen wie Pop Art, Minimalismus, Konzeptuelle Kunst und Neo-Expressionismus. Er stellte als erster Werke von Johns, Stella und Lichtenstein in Einzelausstellungen vor und wurde zum Promoter von Andy Warhol, Ellswort Kelly, Cy Twombley, Donald Judd, Dan Flavin und Richard Serra.
Castelli erklärte 1984 in einem Interview: «Jeder kann einen Künstler entdecken. Das Geheimnis liegt darin, ihn zu dem zu machen, was er ist und ihm Bedeutung zu verleihen.» In der Zeitschrift «The New Yorker» sagte er später: «Man braucht ein gutes Auge und ein gutes Ohr. Nur so ist es möglich, die richtige Wahl zu treffen. Wichtig ist, etwas zu hören, Schwingungen zu fühlen, Reaktionen einzufangen. Nur so lassen sich neue Strömungen wahrnehmen und ihre besten Vertreter finden |